Little Bloody Sunshine



Little Bloody Sunshine

von J. W. Gacy



Bisher veröffentlicht:

Little bloody sunshine

Prolog

Das schrille Piepen aus dem Lautsprecher seines Handys ließ nichts Gutes ahnen.
„Chicago Police Department, was kann ich für sie tun?“ meldete sich eine metallisch klingende Stimme, die eher zu einem Roboter zugehören schien als zu einem menschlichen Wesen. Frank räusperte sich etwas. Er hatte lange darüber nachgedacht, hatte hin und her überlegt, ob es wirklich keine bessere Lösung gab. Aber ihm fiel keine ein. Es gab nichts anderes, was er hätte tun können und wenn doch war er einfach zu blöd, diesen Ausweg zu sehen oder hatte nicht die nötigen Kontakte.
„Ich möchte einen Mord melden“, sagte er so ruhig, dass es ihn selbst überraschte. Am anderen Ende der Leitung knackte es leicht. Vielleicht war es auch das Klirren einer Kaffeetasse die auf den Schreibtisch abgestellt wurde. Er konnte sich lebhaft vorstellen, wie einer dieser fetten Bullen, die nicht mehr in die Streifenwagen passten, am Telefon hing und sich die halbe Nacht mit dem Gedanken an Schmalzkringel wach hielten, jetzt seine Tasse abstellte.
„Wo genau?“, fragte die Stimme, inzwischen klang sie fast etwas aufgeregt, aber immer noch vollkommen unmenschlich. Frank nannte den Namen der Straße und der Hausnummer. Er schloss kurz die Augen und saugte die kalte Nachtluft tief ein.
Vielleicht war es das letzte Mal, dass er die Chance dazu hatte.
Sein Blick schweifte seicht umher.
Vielleicht hätte ich mir in meiner vorerst letzten Nacht in der Freiheit, ein etwas schöneres Stadtviertel Chicagos aussuchen sollen. Mag ja sein, dass der Präsident aus dieser Gegend kommt, aber seine Nachbarn haben es nicht aus der Prostitution raus geschafft. Kein Wunder, dass noch niemand etwas gemeldet hat.
Er kramte mit der freien Hand nach seinen Zigaretten. Schon komisch wie das Leben manchmal so verlief, wie aus einer Endscheidung  jemanden an einer Bushaltestelle zu sehen und etwas trinken zu gehen, ganze Bahnen in einem Leben umlegten.
Er sollte es genießen noch eine unterm freien Himmel zu rauchen, dachte er und sah sich seine Zigarettenpackung genau an. Vielleicht würde er im Knast auch gar nicht an die guten Zigaretten kommen.
„Sir, ein Streifenwagen ist auf dem Weg. Sind sie in Gefahr?“
Frank sah sich um und betrachtete einen bulligen Schwarzen der an einer Bushaltestelle vor sich hin döste.
„Nein.“
„Ich bitte Sie in der Nähe zu bleiben“. sagte die Stimme. „Können Sie etwas zum Täter sagen? Ist der Täter noch in der Nähe?“
Frank schluckte leicht. So viele Fragen auf einmal. Wenn auch in einer seltsamen Reihenfolge. Wahrscheinlich hatte er mit der Vorstellung des fetten Typen Recht gehabt und durch den ganzen Zucker konnte sich der arme Kerl nicht mehr richtig konzentrieren.
Letzte Chance, um einen Rückzieher zu machen, noch konnte er die ganze Sache hinschmeißen und Marie ihrem Schicksal überlassen.
„Ich bin der Täter“, sagte er und zündete sich die Zigarette an.
Scheiße, so könnte auch ein echt schlechter Film anfangen.





1.

Die Schüsse trafen viel besser, als sie es erwartet hätte.
Die Kugel hatte ein klaffendes Loch genau zwischen den Augen hinterlassen. Blut und seltsame Klumpen, wahrscheinlich vom Gehirn, klatschten an die weiße Wand. Marie schluckte schwer. Ihre Gedanken waren wie eingefroren. Der Mann sackte auf den Boden und gab dabei ein seltsames Geräusch von sich. Sie nahm den beißenden Gestank wahr, anscheinend hatten seine Körperfunktionen versagt.
Der letzte Augenblick seines Lebens war wahrhaftig beschissen. Alles geschah viel langsamer, als sie gedacht hatte, wie in einer stockenden Zeitlupe aus einem schlechten B-Movie.
Müsste nicht alles rasend schnell passieren?
Die Situation kam ihr so fremd vor.
In Filmen passiert so etwas doch nicht? Ich habe noch nie einen Film gesehen, in der ein Bösewicht erschossen wird und sich anschließend in die Hosen scheißt.
Ihr Verstand war wie benebelt, alles bewegte sich um sie herum aber davon bekam sie nichts mit. Sie stand da während alles um sie herum wirbelte und sich zu komischen Farbschleiern vermischte.
Marie wagte es nicht ihn anzusehen, den Toten. Immer wieder blinzelte sie, doch der Farbschleier blieb vor ihren Augen wie eine Warnung vor der Realität die sich dahinter verbarg.
Der Tote lag da, einfach nur da. Die weit aufgerissenen Augen starrten ins Leere. Eigentlich hatte sie erwartet, dass er sie ansehen würde. Ihr wurde etwas übel, als sie den Gedankenblitz an Mastvieh, nicht mehr verhindern konnte.
Das ist alles so nicht richtig. Es ist nicht wie im Kino, es ist nicht so, als würde das jemand anderem passieren. In einem Film hätte er seinem Mörder direkt und höchst dramatisch in die Augen gesehen. Aber er starrt einen unsichtbaren Fleck an, das Nichts was allen Lebenden entging. Vielleicht ist das sogar noch schlimmer.
Das klaffende Loch in seinem Hinterkopf schien zu dampfen. Ihr Kopf knickte leicht zur Seite, als könnte ihr Körper den Anblick nicht mehr länger ertragen. Jemand nahm ihr die Waffe aus der Hand. Marie wollte etwas tun, sie wollte zu der Leiche gehen und sie rütteln, bis sie sicher war, dass er tot war.
Kann jemand solch ein Loch im Schädel überleben?
Dann ergriff ein anderes Gefühl die Oberhand. Ihr Körper fühlte sich unendlich schwer an. Ihr wurde schlecht, der Magen schien sich zusammen zuschnüren. Eine Mischung aus heißen und kalten Wellen, durchfuhr ihre Innereien und wieder musste sie daran denken, wie Kühe geschlachtet wurden, wie ihnen der Bauch aufgeschnitten wurde, damit ihre Organe herausfielen, und genauso fühlte Marie sich gerade, doch gerade als ihr das klar wurde, gaben ihre Beine nach, doch jemand fing sie auf.
Frank.


2.

24 Stunden zuvor ….

Die Schüsse trafen viel besser, als sie es erwartet hätte.
Die Kugel hatte ein klaffendes Loch genau zwischen den Augen hinterlassen. Blut und seltsame Klumpen, wahrscheinlich vom Gehirn, klatschten an die weiße Wand. Marie schluckte schwer. Ihre Gedanken waren wie eingefroren. Der Mann sackte auf den Boden und gab dabei ein seltsames Geräusch von sich. Sie nahm den beißenden Gestank wahr, anscheinend hatten seine Körperfunktionen versagt.
Der letzte Augenblick seines Lebens war wahrhaftig beschissen. Alles geschah viel langsamer, als sie gedacht hatte, wie in einer stockenden Zeitlupe aus einem schlechten B-Movie.
Müsste nicht alles rasend schnell passieren?
Die Situation kam ihr so fremd vor.
In Filmen passiert so etwas doch nicht? Ich habe noch nie einen Film gesehen, in der ein Bösewicht erschossen wird und sich anschließend in die Hosen scheißt.
Ihr Verstand war wie benebelt, alles bewegte sich um sie herum aber davon bekam sie nichts mit. Sie stand da während alles um sie herum wirbelte und sich zu komischen Farbschleiern vermischte.
Marie wagte es nicht ihn anzusehen, den Toten. Immer wieder blinzelte sie, doch der Farbschleier blieb vor ihren Augen wie eine Warnung vor der Realität die sich dahinter verbarg.
Der Tote lag da, einfach nur da. Die weit aufgerissenen Augen starrten ins Leere. Eigentlich hatte sie erwartet, dass er sie ansehen würde. Ihr wurde etwas übel, als sie den Gedankenblitz an Mastvieh, nicht mehr verhindern konnte.
Das ist alles so nicht richtig. Es ist nicht wie im Kino, es ist nicht so, als würde das jemand anderem passieren. In einem Film hätte er seinem Mörder direkt und höchst dramatisch in die Augen gesehen. Aber er starrt einen unsichtbaren Fleck an, das Nichts was allen Lebenden entging. Vielleicht ist das sogar noch schlimmer.
Das klaffende Loch in seinem Hinterkopf schien zu dampfen. Ihr Kopf knickte leicht zur Seite, als könnte ihr Körper den Anblick nicht mehr länger ertragen. Jemand nahm ihr die Waffe aus der Hand. Marie wollte etwas tun, sie wollte zu der Leiche gehen und sie rütteln, bis sie sicher war, dass er tot war.
Kann jemand solch ein Loch im Schädel überleben?
Dann ergriff ein anderes Gefühl die Oberhand. Ihr Körper fühlte sich unendlich schwer an. Ihr wurde schlecht, der Magen schien sich zusammen zuschnüren. Eine Mischung aus heißen und kalten Wellen, durchfuhr ihre Innereien und wieder musste sie daran denken, wie Kühe geschlachtet wurden, wie ihnen der Bauch aufgeschnitten wurde, damit ihre Organe herausfielen, und genauso fühlte Marie sich gerade, doch gerade als ihr das klar wurde, gaben ihre Beine nach, doch jemand fing sie auf.
Frank.

3.


Eiskaltes Wasser ließ Marie aufschrecken. Sie zitterte so heftig, dass ihre Zähne klapperten. In Verbindung mit dem heftigen Dröhnen des Wasserboilers, ergab dies eine seltsame Melodie.
Marie stand in der Dusche. Kevin kniete vor ihr und zog ihr gerade die rosa Socken aus. Mit leicht trüben Blick erkannte sie, dass er bereits alle anderen Kleidungsstücke ausgezogen hatte, gleich darauf wunderte sie sich, dass sie sich in der Dusche gefragt hatte, warum sie nackt sei.  Kevin erhob sich etwas schwerfällig. Dicke Ringe zeichneten sich unter seinen Augen ab und auf seinem grauen T-Shirt waren Blutspritzer.
Nicht sein Blut. Fremdes Blut.
Zittrig klammerte sie sich an die gekachelte Wand. Das kalte Wasser half, wieder klarer denken zu können. Aber es führte ihr auch noch klarer vor Augen was sie getan hatte.
Jemand ist tot. Mörderin.
„Marie?“
Sie antwortete nicht und als er sie abtrocknete spürte sie nichts, außer dem eisigen Klauen die sich in ihr Gewissen gegraben hatten. Obwohl sie ihn direkt ansah, konnte sie ihn nicht sehen. Sie sah sich nur immer wiederzusammenbrechen, als hätte sie alles nur beobachtet. Als wäre gar nicht sie es gewesen, sondern eine andere Marie. Eine Mörderin, die in ihrem Körper gesteckt hatte.
Ja, so muss es gewesen sein. Ich bin doch gar nicht in der Lage, so etwas zu tun. Ich kann ja nicht mal eine Spinne erschlagen, wie könnte ich dann dazu im Stande sein, einen Menschen zu töten? Jemanden anzusehen und abzudrücken. Einfach so abknallen, als wäre er nur ein Rindvieh, nichts menschliches, nicht gutes…

„Komm Baby“ sagte Kevin. „Frank macht sich schon Sorgen. Er wartet auf uns im Nebenzimmer …“
Er zog ihr einen neuen Pulli über den Kopf und griff gleich darauf nach einer Jeans. Sie wehrte sich nicht, es war ihr gleich. Sollte er doch machen, was er für richtig hielt. In ihrem Kopf rasten die Gedanken durch eine zähe Masse, auf etwas anderes konnte sie sich gerade nicht konzentrieren. Die letzten Stunden vergingen in ihrem Kopf wie Sekunden, viel zu schnell um auch wirklich alles mitzubekommen. Etwas hilfesuchend sah sie ihren Freund an, der damit kämpfte ihre Jeans zu zuknöpfen.
„Wo sind wir?“
„Mach dir darum keine Gedanken, Baby. Wir sind in Sicherheit …“
„Wo?“
„Weit genug weg … Mach dir keine Sorgen!“
Anschließend wickelte er sie in eine dicke Decke ein. So verminderte sich ihr Zittern etwas.
Sie waren in einem muffigen Motel. Die Tapete hatte die Farbe vom altem Kaugummi und die Möbel sahen uralt aus. Aber nicht die Art von alt, die schon wieder als antik gilt. Einfach nur alt und billig, als hätte jemand bei der Eröffnung des ersten Ikea alles leer gekauft und seitdem nicht mehr ersetzt. Marie ließ ihren Blick einen Moment lang durch das schäbige Zimmer kreisen, ehe er an dem schwarzen Klotz am Fenster hängen blieb.
Frank stand ruhig da.
Die cremefarbenen Vorhänge bildeten einen seltsamen Kontrast zu ihm, fast als würden sie versuchen ihn einzurahmen, nur das dieses Ergebnis jeden Künstler in den Ruin getrieben hätte. „Wie geht es ihr?“ fragte er leise, ohne den Blick von der Straße abzuwenden. Marie wollte den Mund aufmachen, aber ihr Freund kam ihr zuvor.
„Soweit ganz gut,“ meinte Kevin. Nervös schob er seine Hände in die Hosentasche. Er wirkte wie ein zu groß geratenes Kind, in den abgetragenen und viel zu großen Hosen des älteren Bruders. „Glaube ich. Sie steht noch unter Schock“
Marie schnaubte.
Schock? Was für ein Schock. Gerade jetzt fühlte ich mich ziemlich ruhig. Eines muss ich Frank lassen, in seiner Nähe komme ich immer schnell auf andere Gedanken, auch wenn mich das zum zweiten Mord in meinem Leben führen könnte.
„Frank, ich kann alleine reden. Wenn du das nächste Mal etwas von mir wissen willst, dann sprich mich an und nicht Kevin“, sagte sie ohne wirklichen Zorn in der Stimme. Die Ruhe hatte sich ganz plötzlich in Schwerfälligkeit verwandelt. Frank drehte sich zu ihr um. Sein Blick war kalt, so kalt dass sie wusste, wie schlecht es ihm ging. Er wirkte müde und angespannt und irgendwie, kleiner als sonst.
„Wie geht es dir, Sunshine?“
Marie wich seinem Blick aus und schloss kurz die Augen. „Ich habe jemanden umgebracht“, meinte sie zögernd und öffnete sie wieder. „Aber von der Tatsache mal abgesehen, geht es mir gut denke ich, immerhin hab ich keine Kugel im Kopf oder einen aufgeschlitzten Kuhbauch.“
„Sunshine, was redest du da?" unterbrach er, ohne dass seine Stimme verriet was er dachte. Sie schüttelte leicht den Kopf und winkte ab.
„Vergiss es einfach wieder, das zu erklären würde zu viel Zeit beanspruchen.“
Er grinste ohne viel Ausdruck und sobald er zu Kevin sah, war das Grinsen verschwunden. Eigentlich hätte sie Verständnis dafür haben müssen, doch in diesem Moment machte es sie eher wütend. Alles an dieser Situation machte sie wütend. Dieser Gestank nach zu Leder gewordenem Staub in der Luft, sie hasste das Licht welches durch das Fenster schien, die kratzige Decke um ihren Körper, dass ihr Freund sie behandelte wie ein Kind und dass sie jemanden umgebracht hatte.
Sind das nicht genug Gründe um sauer zu werden?
„Ist uns jemand gefolgt?“ fragte Kevin und bemühte sich hart zu klingen, was ihm allerdings schändlich misslang. Neben Jemanden wie Frank wirkte er wie ein trotteliger Hund. Besten Falls konnte er darauf hoffen, nicht wie ein totaler Idiot dazu stehen. Aber dafür war es eigentlich auch schon zu spät. Allein wie er mit seinen Turnschuhen kleine Kreise in den Teppich malte, ließ ihn wie ein Trottel wirken.
„Bisher noch nicht“, antwortete Frank finster. „Jedenfalls habe ich nichts entdeckt, was darauf hindeutet.“
Marie ließ sich auf das staubige Sofa sinken. Sie glaubte, dass es mal gelb gewesen war, konnte sich aber nicht sicher sein, vielleicht könnte es auch ein heller Braun-Ton gewesen sein. Eine Träne rollte über ihre Wange und dann noch eine. Sie versuchte sie zurück zu halten, doch das Zittern in ihrem Inneren war zu stark.
„Wir haben ein paar Stunden, vielleicht einen oder sogar zwei Tage. Mehr nicht. Dann werden die Bullen uns finden. Wir haben zu viele Spuren hinterlassen. Das wird ein Festmahl für die“, fuhr Frank fort. In seiner Stimme klang leichte Sorge mit, gerade so stark, dass jemand der ihn gut kannte es heraushören konnte. „Was wir auch tun, wir sollten uns schnell etwas überlegen, sehr lange haben wir keine Ruhe mehr …“
Marie bemühte sich, ihm fest in die dunklen, kalten Augen zu sehen. Es war selten, dass sein Blick weich wurde, das letzte Mal hatte sie es gesehen, als sie sich von ihm getrennt hatte. Für Kevin. Sie rieb die Hände aneinander.
Kaum zu glauben, oder?
Von Frank zu Kevin, war es schon ein seltsamer Weg den sie gewählt hatte. Man musste sich die Beiden nur einmal genau ansehen, Kevin mit seinen struppeligen Haaren und dem rasierten Kinn. Dazu die schlaksige Haltung und das alte T-Shirt. Ein Kind im zu großen Körper eines Kindes.
Und dann Frank.
Mit den breiten Schultern, den undurchdringlichen, dunklen Augen. Die ausgeprägten Wangenknochen, das etwas spitz zulaufende Kinn und die dunklen Augenbrauen, taten ihr übriges. Wenn er grinste, hatte er ein winziges Grübchen neben seinen Lippen, die sie jedes Mal wieder zum Lächeln brachten. Seine Glatze hatte er unter einer schwarzen Mütze versteckt. Sie hatte es lange aufgegeben sich ihn mit Haaren und ohne Dauer-Drei-Tage-Lippen-Plus-Kinnbart vorzustellen.
Er trug ein enges, schwarzes T-Shirt, unter dem sich jede Faser seiner Brustmuskeln abzeichnete. Dazu die ebenso enge schwarze Hose und der Gürtel. Sie fragte sich kurz, ob sie ihn je in einer anderen Hose gesehen hatte.
Er war einer dieser Männer, die einen mit einem Blick gefangen hielten und Kevin war einer dieser Männer, mit denen man nur schlafen konnte, wenn man genug getrunken hatte. Noch eine Träne rann aus ihren Augen.
Das ist doch alles Bullshit, wie habe ich es nur so weit kommen lassen können?
Frank schob sich unsanft an Kevin vorbei.
„Kopf hoch, Sunshine“ murmelte er und fuhr mit seinen großen, rauen Händen über ihre Lippen.
Gott, ich liebe seine Hände.
„Du hast nur versucht diesem Arschloch das Leben zu retten. Ohne dich wäre er jetzt derjenige mit einem Loch im Schädel. Du hast nichts falsch gemacht …“
Marie lachte kühl auf und schob alle Gedanken zur Seite. „Wenn es so wäre, hätten wir wohl kaum abhauen müssen, oder?“, zischte sie bitter. „Ich hab uns in diese Scheiße geritten. Dich. Also muss ich uns da auch wieder rausholen.“
Sie tauschten einen kurzen Blick aus.
„Ich stelle mich den Bullen, dann passiert euch nichts. Ich sagen denen, dass alles auf mich geht, was sollen die schon groß machen?“
„Nein!“ schrien die beiden Männer im Chor. Wahrscheinlich das erste und letzte Mal, dass die Beiden sich einig waren. Sie blickten einander kurz an. Die Szene erinnerte sie an einen schlechten Cameron Diaz Film.
„Das werde ich nicht zulassen! Meine Frau wird nicht in den Knast gehen“, rief Kevin aufgebracht. Er spielte sich gerne als Beschützer auf, Marie hasste das, besonders weil es ihm meistens misslang.
Noch mehr hasse ich es von jemanden als SEINE FRAU bezeichnet zu werden, obwohl dieser jemand nicht einmal in meine Nähe gekommen wäre, wenn es nicht billigen Scootch und Wein geben würde.
„Hast du eine bessere Idee?“, zischte sie ihn an. Er sagte nichts mehr und schloss den Mund. Typisch. Der Bengel hat doch nichts in der Hose und kneift bei jeder Gelegenheit den Schwanz ein. Ein Wunder, dass er nicht derjenige war, der zusammengebrochen ist. Obwohl ich das ja gar nicht mit 100%iger Sicherheit sagen kann, immerhin hatte Frank mich aufgefangen, nicht Kevin.
Frank schüttelte langsam den Kopf.
„Sunshine, du bist besoffen, vorgestraft und fällst bei jedem Drogentest durch“, sagte er sanft. „Was meinst du, was die mit einem Mädchen wie dir anstellen?“
Marie zuckte mit den Schultern und versuchte gleichgültig zu wirken. Wahrscheinlich gelang es ihr nicht sehr überzeugend.
„Eine andere Lösung gibt es nicht …“
„Ich klär das schon …“
Sie warf ihm einen vernichtenden Blick zu. Sicher, er klärte das schon. Er hatte schon viel zu viel getan. Mit einem Finger wischte sie sich die Tränen aus dem Augenwinkel. Sie kannte Frank lange genug, um zu wissen, dass er nichts Gutes vorhatte. Er war einer dieser Männer, die viel zu gut waren. Nicht in dem Sinne von einer reinen Weste, aber Frank würde alles dafür tun dass…
Für mich. Er würde alles für mich tun, egal ob ich versuche ihn davon abzuhalten oder nicht. Er ist wie der Ritter auf dem Pferd, nur ohne die märchenhaften Klischees, in diesem Fall also mit Glatze und Bus. Und ohne Happy End.
„Kevin, lass uns allein“, forderte sie plötzlich.
„Was?“ fragte dieser zurück und wirkte dabei etwas irritiert. „Warum?“
„Hau ab!“
Er zuckte zusammen wie ein geschlagener Hund, nur dass dieser wehleidige Blick bei ihm eher aussah wie von einem Fisch ohne Wasser. Er schüttelte den Kopf. Sein Blick war verwirrt und verständnislos. „Nein, ich werde nicht…“
„Verdammte Scheiße, ich hab dir den Arsch gerettet! Meinst du wirklich es ist zu viel verlangt wenn du mich verdammt nochmal ein paar Minuten in Ruhe lässt? Und jetzt hau endlich ab!“, schrie sie wütend. Ihre Augen funkelten auf eine Art, die Angst machen konnte.
Widerwillig schnaubte er, betrachtete Frank mit einem missbilligenden Blick und ging zur Tür. Sein Gang war schlurfend und man konnte jeder Faser seines Körpers ansehen, dass er alles andere wollte, als aus dieser Tür zu gehen.
„Ich hol mir ein Bier“, meinte er, während die Tür zu schlug. Marie stöhnte leicht auf, zum einen aus Erleichterung, dass er gegangen war und zum anderen, weil sie nicht wusste wohin sie das alles noch führen sollte.


3.

„Was hast du vor?“ fragte Marie scharf und verschränkte die Arme vor der Brust. Sie hoffte, ihn so besser auf Distanz halten zu können. Je näher sie ihm kam, umso schwächer fühlte sie sich.
Frank strich ihr über die Wange.
Sie sah müde aus. Die dunklen Ringe unter ihren Augen hatten inzwischen die Farbe von dunklem Flieder und ihre rosa Lippen schienen blasser zu sein. „Meinst du, ich würde zulassen, dass du im Knast verrottest, Sunshine?“ flüsterte er. Marie hatte Mühe nicht schwach zu werden. Frank kannte sie viel zu gut, er wusste genau wie er es anstellen musste. Er wusste, wenn er die richtigen Dinge sagte und ihr noch mal über die Wange strich, wäre sie Wachs in seinen Händen, ihre Knie fingen ja jetzt schon an zu zittern - obwohl man das auch dem endenden Schock zuschreiben konnte.
Reiß dich zusammen. Immerhin bin ich kein Kind mehr. Was ich getan habe, muss ich alleine ausbaden und nicht er. Ich kann nicht immer darauf hoffen, dass er kommt um mich zu retten, denn die Realität sieht anders aus, die Prinzessin hat selbst aufs Kampfross zu steigen!
„Was sollen die schon groß mit mir machen!“, entgegnete sie diplomatisch. Dabei wich sie seinem Blick gekonnt aus. „Ich bin 16 und schwanger, die werden mich wohl kaum wegsperren und wenn, dann sicher nicht allzu lange. Okay, vielleicht muss ich eine Weile in den Jugendarrest, aber so schlimm ist es da auch nicht …“
Es herrschte ein kurzes Schweigen. Vorsichtig, fast zögernd legte er eine Hand auf ihren Bauch. Es war noch nicht mal so etwas wie ein Babybauch zu sehen, aber irgendwie hatte er das Gefühl diese Geste war nötig.
„Wir reden hier nicht davon, dass du etwas geklaut hast, sondern von Mord und Drogen. Sie werden es dir wegnehmen, Sunshine.“
Marie zuckte schluchzend die Achseln. Mühsam versuchte sie die Tränen zu verstecken. „Wäre das nicht vielleicht sogar das Beste?“, murmelte sie vor sich hin. „Wie du schon gesagt hast, ich bin 16, betrunken und falle bei jedem Drogentest durch. Was meinst du wohl, was ich für eine Mutter wäre? Was bin ich denn gerade für eine Mutter? Da wächst etwas in mir heran und ich habe gerade jemanden abgeschlachtet. Du hast das doch von Anfang an gewusst, also tu jetzt doch nicht so überrascht und versuch ja nicht mir einzureden ich könnte eine bessere Mutter sein.“
Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem traurigen Lächeln. Da war es, das kleine Grübchen, dass er hasste wie die Pest. Aber sie hatte sich zum Teil wegen diesen kleinen Markels in ihn verliebt.
Sein Blick flackerte.
Scheiße, warum muss er mir das nur antun?
„Nein, du wirst es bekommen.“ versprach er liebevoll. Viel zu liebevoll. Wie konnte man denn da noch widersprechen? Wie konnte man sich da nicht in seine Arme werfen und ihn anflehen…
„Und du wirst eine großartige Mutter …“
Er setzte sich zu ihr. Marie rückte etwas dichter an ihn heran, gut lügen konnte er außerdem. Vorsichtig legte sie eine Hand auf seinen Arm. Das Tattoo des Löwenkopfes schaute zur Hälfte aus dem T-Shirt Ärmel heraus. Vielleicht war es vergebens sich dagegen zu wehren. Oder vielleicht wollte sie sich einfach nicht mehr dagegen wehren, weil das schwach werden in Franks Nähe, schon immer das Schönste war, was ihr passieren konnte. Sie sah ihn mit großen Augen an.
„Und was machen wir dann?“
Sie hoffte, er würde ihr das Happy End versprechen, dass sie sich schon immer gewünscht hatte. Er würde ihr die Telefonnummer der guten Fee geben, damit sie endlich den Gläsernen Schuh finden konnte. Doch er tat nichts davon.
Er zog sie sanft an sich heran und küsste sie. Sein Bart kratzte und seine Lippen waren spröde. Der Geschmack von Whiskey und Bier vermischte sich in ihrem Mund. Er löste sich viel zu schnell wieder von ihr.
„Geh zu Kevin“, sagte er plötzlich und sie konnte nur ahnen, wie schwer es ihm viel, dies zu sagen. „Ich klär das schon …“
Instinktiv schüttelte Marie den Kopf. Immer wenn er so etwas sagte, tat er etwas schrecklich Dummes und sie konnte nicht zulassen, dass er noch mehr dumme Sachen wegen ihr machte. „Du wirst nicht für mich in den Knast gehen“, hauchte sie. Ihre roten Haare flogen ihm ins Gesicht. „Das kann ich nicht zulassen. Mit dieser Schuld könnte ich niemals leben. Zu wissen, dass du nur wegen mir in einer Zelle sitzt. Nein, Frank. Es geht nicht. Nochmal werden die dich nicht so schnell laufen lassen. Du wirst Jahre sitzen müssen, ich hab immerhin noch die Chance auf Bewährung und dann besorg ich mir Hilfe beim Jugendamt, vielleicht bekomm ich sie dann zurück …“
„Sie?“
Marie schluckte, als wäre ihr eben erst bewusst geworden was sie sagte. „Ja, es fühlt sich für mich irgendwie nach einem Mädchen an …“
Einen Augenblick wirkte sie etwas verschüchtert und rieb sich die Augen. Das war mit Sicherheit nicht das Beste gewesen was sie hätte sagen können.
„Sunshine, ich tu das nicht für dich“, sagte er zärtlich und grinste leicht. Sie sah ehrlich überrascht aus und zuckte mit dem Kopf etwas nach hinten.
„Ich tu es für das Baby. Es ist auch mein Kind.“
Sie konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Tränen schossen ihr in die Augen und sie machte sich keine Mühe mehr, sie aufzuhalten.
Er lehnte seinen Kopf an ihre Stirn, so dass sie den Stoff der Mütze deutlich spürte. Was hätte sie dafür gegeben, dass er diese Worte vor ein paar Wochen gesagt hätte. Dann wäre jetzt vielleicht alles anders und sie würden die Farben für das Kinderzimmer aussuchen, sich darüber streiten ob es ein Mädchen ein rosa Zimmer bekommt, oder ob das zu sexistisch sei.
„Frank, ich…“
„Du darfst mich nicht besuchen“ unterbrach er. „Hörst du? Es wäre zu gefährlich. Sie könnten etwas mitbekommen. Wenn sie von dem Baby erfahren, und dass du noch nicht volljährig bist, hast du verstanden?  Ein falscher Ausweis reicht vielleicht um in eine Bar zu kommen, aber im Knast läuft das alles etwas anders. Halt dich von mir fern, versprich mir das, Sunshine …“
Dieses Mal war sie es, die ihn küsste. Sie schlang die Arme um seinen Hals und zog ihn so dicht an sich wie es ging. Sie wollte ihn nicht loslassen, sie wollte nicht, dass er diesen Satz jemals beendete. So durfte es nicht werden, sie würde sich stellen und danach würde sie mit Frank den Rest schon schaffen.
Vorsichtig ließ sie von ihm ab. Es schmeckte nach Abschied.
„Frank, ich…“
Er schüttelte den Kopf und legte einen Finger auf ihre Lippen. „Ich will nicht, dass du dich verabschiedest“, sagte er ruhig und küsste ihre Stirn. „Ich liebe dich, Sunshine. Das werde ich immer und jetzt hau ab, bevor dein neuer Freund nochmal etwas Dummes macht.“


4.

3 Monate später


Frank schluckte schwer und straffte sich gleichzeitig. Die Untersuchungshaft war vorbei und das Urteil bereits gesprochen. Die nächsten 5 Jahre seines Lebens würde er nun in diesem Gefängnis verbringen müssen. Marie hatte ihr Wort gehalten und war bisher nicht aufgetaucht. Weder bei der Verhandlung, noch während er in der Zelle gesessen hatte.
Ein Wärter stieß ihn unsanft voran in seine neue Zelle. „Viel Spaß, Jackson“, knurrte er ihm hinterher und gab sich nicht einmal Mühe dabei nicht hämisch zu wirken.
Ein bulliger zwei Meter Mann blickte ihn voller Hass an. Als das Gitter hinter ihm geschlossen wurde fragte sich Frank kurz ob er das überleben konnte. Sicher er war nicht gerade schwach, aber gegen einen solchen Bullen, konnte er wohl kaum etwas ausrichten. Außerdem war er sich nicht sicher, ob der Muskelkater den er sich selbst durch ständiges Training verpasst hatte, ihn vielleicht daran hindern würde hart zu zuschlagen. Wenn dieser Kerl es erst einmal geschafft hatte ihn zu Boden zu bekommen dürfte es äußerst schwer werden wieder aufzustehen.
„Du bist also der Neue?“ zischte er Mann. Seine Haare gingen ihm in der Mitte des Kopfes bereits etwas aus und die Pranken ähnlichen Hände rieben sich an einander. Frank schlug eine üble Wolke entgegen und er bemühte sich das Gesicht nicht zu verziehen. Das hätte sicher keinen guten Eindruck gemacht. „Sieht so aus“ sagte er knapp.
„Ich bin Hage“ knurrte der Mann. Er zeigte auf die linke Pritsche „Da schläfst du!“ bestimmte er. Frank machte sich nicht die Mühe zu nickten. Er nahm die paar Sachen die man ihm gegeben hatte und legte sie auf das provisorische Bett. Das sollte also sein neues Zuhause sein.
Die nächsten 4 Jahre 8 Monate und 23 Tage.
„Warum sitzt du?“, wollte Hage wissen. Frank konnte sich nicht vorstellen was dieses Gespräch bringen sollte, aber er ahnte, dass er sich besser darauf einlassen sollte. Er wollte sich nicht gleich in den ersten 10 Minuten,  Feinde machen. Dazu hatte er noch genug Zeit. „Drogenhandel“, antwortete er und bemühte sich halbwegs unbefangen zu wirken. „Und du?“
„Totschlag.“
Typisch, dachte Frank still. Kerle wie der saßen immer wegen Totschlag. Oder wegen Mord. Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn er einen friedlichen Artgenossen, als Mitbewohner bekommen hätte. Betrüger, Drogenhändler, Steuerhinterzieher, aber er hatte einen Todschläger als Zellengenossen - von Glück konnte man da nicht sprechen. Sein neuer Freund kaute geräuschvoll auf seinem Kaugummi. Was für eine Sorte das wohl sein konnte, wenn sie nicht einmal ansatzweiße den Mundgeruch verbergen konnte? Aber wahrscheinlich übertünchte es schon mehr als Frank annehmen konnte.
„So ein Kerl hat versucht sich an mein Mädchen ran zu machen, nicht auf die nette Art wenn du verstehst was ich meine“, erklärte er, ohne dass Frank ihn dazu aufgefordert hatte. Er schien unbedingt mit jemanden reden zu wollen. Seine Augen verengten sich und er betrachtete ihn eine ganze Weile, bevor er wieder etwas sagte. „Du siehst nicht aus wie einer der wegen Drogen sitzt.“
Frank zuckte mit den Schultern. „Wie sieht denn jemand aus der was mit Drogen zu tun hat?“
„Auf jeden Fall nicht so wie du“, knurrten Hage.
Frank lachte leise. „Ich brauchte schnell etwas Geld“, sagte er trocken. Tausend Mal hatte er sich diese Geschichte durch den Kopf gehen lassen. Oft, während der letzten Monate hatte er sie etwas ausgeschmückt, dann hatte er wieder etwas gestrichen. Am Ende war sie genauso gewesen wie am Anfang, aber er hatte mindestens 5 Tage damit rumgebracht. „Sehr viel Geld um genau zu sein. Hatte bisschen Pech beim Pferderennen …“
Hage musterte ihn noch immer scharf, doch sein Misstrauen schien sich zumindest nicht noch zu verstärken. „Du siehst nicht aus wie einer der was mit Pferden zu tun hat“, entgegnete er wieder. Frank zuckte ebenfalls wieder mit den Schultern. Er wusste noch immer nicht wohin genau das Gespräch ihn führen würde, aber ein Ende war noch immer nicht abzusehen. Frank beantwortete jede Frage, so gelassen er konnte bis Hage es leid war ihn zu löchern. Ein Stöhnen entwich dem Riesen und er lehnte sich an seine Wand.
„Wie sieht es mit Weibern aus?“, fragte er, gerade so als würde er hoffen, dass Frank wenigstens in dieser Beziehung etwas mehr zu erzählen hatte, aber da hatte er sich gründlich getäuscht. „Haste ein Mädchen das auf dich wartet?“
Frank starrte auf seine Füße ohne zu antworten.
Würde sie auf mich warten? Sicher nicht, sie hat mich ja immerhin verlassen, man wartet nicht auf jemanden den man verlassen hat, dass wäre gegen jede Logik. Außerdem ist sie noch so jung, und 5 Jahre eine lange Zeit. Ich kann von Glück reden, dass sie sich überhaupt mal mit einem wie mir abgegeben hat …
„Frank? Alter jetzt sag schon!“
Er blickte auf. Mehr als: „Nein.“ brachte er nicht raus. Es machte den Anschein, als würde der Große noch mehr wissen wollen, aber er wurde durch einen Wärter unterbrochen. Erleichtert atmete er auf.
Warum ist dieser Kerl nur so scharf darauf, etwas über mich zu erfahren? Er tut gerade so als gebe es nicht genügend traurige Geschichten hier …
Frank wurde zusammen mit einigen anderen und Hage zum Essenssaal gebracht. Sofort hatte er das Gefühl wieder in der Schule zu sein. Er nahm sich ein Tablett und schaufelte so viel Essen darauf wie möglich. Dann ging er zum hintersten Teil des Raumes und setzte sich hin. Die Blicke der Anderen Häftlinge klebten an ihm wie Honig an den Händen. Obwohl er versuchte es weitgehend zu ignorieren, schlug sein Herz etwas schneller. Frank wusste, dass er hier ganz unten in der Nahrungskette stand. Es würde schwer werden zwischen all den Mördern und Totschlägern zu bestehen. Unruhig ließ er seine Hände knacken.
Wie soll man sich hier Respekt verschaffen, ohne sich eine der Gangs anzuschließen? Scheiße, das letzte Mal als ich hier gelandet bin war es die reine Hölle und nun muss ich etwas länger durchhalten, als ein paar Monate.
Frank versuchte diesen Gedanken wieder abzuschütteln und schaufelte das eklige Essen in sich hinein, nur um dann so schnell es ging wieder in seine Zelle zu kommen.
Es machte ihn nervös die ständigen Blicke zu spüren.
Wie tollwütige Hunde die nur darauf warten, dass ich eine falsche Bewegung mache.