Dienstag, 23. Oktober 2018

Die unheimlichen Eltern eines Berliner Dreamboys - Mit deinem Bruder hatten wir ja Glück


Name:  Mit deinem Bruder hatten wir ja Glück

Autor:  Sebastian Lehmann 

Verlag:  Goldmann Verlag

Geeignet für: Kinder jeden Alters, Veggies, Berliner und alle die Angst haben ans Telefon zu gehen, wenn dort "Mutter" steht

Gelesen oder gehört: gelesen

Seiten:  240

Preis:  9,00 Euro (Taschenbuch)

Bewertung: 5 von 5 Punkten

*Dieses Buch wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt! Danke dafür!

Inhalt: 

Wie alle echten Berliner kommt auch Sebastian Lehmann eigentlich aus Süddeutschland. Um mit seinen Eltern in der badischen Provinz den Kontakt zu halten, telefoniert er oft mit ihnen. Dabei unterhalten sie sich über seine brotlose Kunst als sogenannter Schriftsteller, Tiefkühlpizza als Hauptmahlzeit, wann (hoffentlich bald) und wen (eigentlich egal) er endlich heiraten werde und warum immer noch keine Enkelkinder auf dem Weg sind. Sebastian hat diese unterhaltsamen Telefonate mitgeschrieben und daraus ein Buch gemacht. Seine Mutter ist stolz, sein Vater wollte sich nicht äußern und hat hoffentlich nicht das Testament geändert. Pointierter wurde der Clash zwischen den Generationen, zwischen Stadt und Land, zwischen Jung und Alt nie dargestellt! 

"Sollen wir dir ein Foto von uns schicken?", fragt mein Vater. "Dann kann das der Verlag als Cover nehmen. Ist ja immerhin ein Buch über uns."
"Ich dachte, ihr wollt NICHT in die Öffentlichkeit?"
"Was für eine Öffentlichkeit?", fragt mein Vater. "Ist doch ein Buch von dir."

Cover: 

Was bin ich froh, dass der Sebastian auf dem Cover ist - und nicht seine Eltern. Das soll kein Diss sein, vielleicht sieht sein Vater ja auch mit wenig Haar sehr mondän aus. Aber ich mag es doch lieber ein Bild von meinem "Protagonisten" selbst vor mir zu haben. Besonders, wenns ein so ein Schnuckelchen ist. Ist das Wort eigentlich beleidigend für einen erwachsenen Mann? Habe ich den armen Kerl jetzt sexualisiert? Habe ich das gerade wirklich gesagt?
Oh man, hoffentlich liest der gute diese Rezension nicht. 

Meine Meinung:

Okay, ich gebe es zu: Ich bin ein kleines Fangirl. 
Vielleicht stalke ich Sebastian Lehmann auch auf allen Kanälen und hoffe heimlich, mit ihm mal ein Bier zu trinken oder nen veganen Bürger zu essen. Aber nicht so, wie ihr jetzt denkt. Sondern rein platonisch und natürlich zu Recherchezwecken. Seine Freundin darf natürlich auch dabei sein. Wäre ja sonst komisch. Aber zahlen muss er allein, ich bin ja selbst immer pleite. Wo war ich?
Das Buch ist in 59 kleine Kapitel aufgeteilt, die sich so schnell weglesen lassen, dass es fast schade ist. Zugegeben kannte ich das meiste bereits aus der Radiokolumne "Elternzeit" und diversen Youtube Videos. Trotzdem bin ich ein bis zweimal lachend vom Sofa gerutscht. Der bitterböse Humor in Kombination mit der brutalen Wahrheit ist fast so köstlich wie das Cover. Dabei darf natürlich eine gute Brise Gesellschaftskritik und eine verbrannte Tiefkühlpizza nicht fehlen. Für mich auf jeden Fall ein Lesehighlight, das mir den Sonntagabend versüßt hat. 
Wer einen Vorgeschmack zum Buch haben möchte, sollte auf jeden Fall mal bei "Elternzeit" reinhören. Es ist fast schon erschreckend, wie oft man sich selbst in die Gespräche rein fühlen kann. Auch wenn natürlich alles etwas überspitzt dargestellt ist (hoffe ich zumindest), ist der Wahrheitsgehalt um 100% höher als im AfD Wahlprogram. Eine absolute Empfehlung meinerseits. 
Wer mal wieder etwas braucht, dass einem zum Lachen bringt, sollte sich das Buch dringend kaufen. Außerdem braucht der Sebastian das Geld. Sonst muss er es wieder mit Hexerei versuchen, um seinem Vater Geld aus den Taschen zu ziehen. Man hat es eben nicht leicht als Künstler in Berlin. 

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